Eine lebenslange Sportlerin entdeckt eine neue Herausforderung
Andrea lebt seit ihren 62 Lebensjahren in Wien – und war die meiste Zeit davon in Bewegung. Schon als Kind war sie Leichtathletin, lief 100 Meter und sprang weit, und trainierte damals fast täglich. Diese Energie trägt sie bis heute in ihre Arbeit als Jugend-Sporttrainerin und Vereinsorganisatorin. Die Sportart, die sie trainiert, heißt Floorball – ein schnelles Hallenspiel mit Schläger und kleinem Ball, vom Rhythmus her ähnlich wie Eishockey, aber für Kinder jeden Alters zugänglich. Regelmäßig besucht sie Schulen, um den Sport vorzustellen, und findet echte Freude daran, wenn Kinder sich für etwas Unbekanntes begeistern.

„Man fühlt sich der Region näher, wenn man die Sprache spricht.“
Abseits der Sporthalle wandert, radelt und liest sie – am liebsten nordische Krimis, ein Genre, in das sie auch durch das Schwedischlernen geraten ist. „Ich habe wirklich sehr viele schwedische Krimis gelesen“, sagt sie, fast ein bisschen belustigt. Auch das Reisen gehört zu ihrem Leben, auch wenn die Zeit dafür selten reicht. Lissabon war einmal eine Stadt, in der sie sich vorstellen konnte zu leben – die Atmosphäre, das Licht, das Tempo. Doch Istrien hat sich im Laufe der Jahre auf eine ganz andere Weise in ihr Leben gefügt.
Ein Haus in Istrien und der Entschluss, die Sprache zu lernen
Andreas Verbindung zu Kroatien reicht bis in die Kindheit zurück, doch erst als sie und ihr Partner begannen, in Drenje nahe der Kleinstadt Labin ein Haus zu bauen, dachte sie ernsthaft über die Sprache nach. Das war vor etwa sechs, sieben Jahren. Ein Freund, der am Bauprojekt beteiligt war, hatte damals schon einen Kroatischkurs begonnen – und seine Begeisterung war ansteckend.
Sie startete an einer Wiener Volkshochschule und fand den Kurs durchaus angenehm, doch die Gruppe schrumpfte nach und nach, bis der Unterricht nicht mehr sinnvoll weitergehen konnte. Eine Zeit lang machte sie mit dem Lehrer aus diesem Kurs weiter, entschied sich dann aber für etwas Strukturierteres: ein richtiges Lehrbuch, Grammatiktabellen, an die sie immer wieder zurückkehren konnte, einen roten Faden. Diese Vorliebe für klare Strukturen prägt ihren Zugang zum Sprachenlernen generell – und Kroatisch bildet da keine Ausnahme.
Mit einem Leben voller Sprachen im Gepäck
Kroatisch ist nicht Andreas erste Fremdsprache als Erwachsene. Neben Englisch hat sie Spanisch und Portugiesisch gelernt, dann Schwedisch – gut genug, um Krimis im Original zu lesen. Ihre Mutter war stets überzeugt, dass sie keinerlei Sprachtalent besitze; nur ihr Bruder sei dafür begabt. Die Realität hat dieses Urteil gründlich widerlegt. Was Andrea aus all diesen Sprachen mitgenommen hat: Wer eine gelernt hat, findet beim nächsten Anlauf leichter hinein – auch wenn Vokabular und Grammatik völlig anders sind.
„Geduld ist das Wichtigste. Man baut langsam auf, und plötzlich denkt man nicht mehr nach – es kommt einfach.“
Kroatisch, betont sie, sei dennoch wirklich schwierig. Die Wörter sind ihr auf eine Weise fremd, die Spanisch oder Schwedisch nie waren, und mit zunehmendem Alter fällt das Behalten schwerer – zumindest hat sie dieses Gefühl. Doch sie erkennt auch etwas Nützliches in der Herausforderung: Sie hat ein Gespür dafür, wie Sprachen funktionieren, eine Geduld für Grammatiktabellen und das Wissen, dass Fortschritt sich aufbaut – langsam, aber stetig.
Fortschritt heißt: nicht mehr so viel nachdenken müssen
Nach einem Durchbruchsmoment gefragt, ist Andrea ehrlich: Den einen großen Moment gab es nicht. Das Kroatischlernen fühlt sich eher wie ein langsames Anwachsen an als wie ein plötzlicher Sprung. Was sie wahrnimmt, sind die leisen Zeichen – Momente, in denen ein Satz entsteht, ohne dass sie jeden grammatikalischen Schritt durchdenken muss; Texte, die sie zur Hälfte versteht, ohne jedes Wort nachschlagen zu müssen; kroatische Gespräche im Wiener Bus, denen sie plötzlich folgen kann.
Seit etwa drei Jahren lernt sie nun, mit regelmäßigen Stunden, aber weniger Übung zwischendurch, als ihr lieb wäre. Eine App nutzt sie für ergänzende Übungen, und sie schätzt es sehr, wenn ihre Lehrerin zusätzliche Materialien bereitstellt – eine Tabelle zu Adjektivendungen, eine Übersicht zu Uhrzeiten, Listen für Bereiche, mit denen sie sich schwertut. Die Kombination aus Struktur und Flexibilität passt zu ihr. Was sie Woche für Woche weitermachen lässt: Sie freut sich wirklich auf jede Stunde – nicht als Pflicht, sondern als etwas, das ihr Spaß macht, ein fester Punkt in einem vollen Alltag.
6-wöchiger Email-Kurs (kostenlos)
Bereit für Ihre eigene Geschichte? Erhalten Sie jede Woche eine kurze Kroatisch-Lektion sowie eine kleine Übung zum Ausprobieren. Jetzt eintragen und direkt loslegen!

Eine Sprache, die Türen öffnet – in Istrien und darüber hinaus
Wie weit der praktische Nutzen ihres Kroatischs reicht, hat Andrea selbst überrascht. Wenn sie mit den Handwerkern in Drenje auf Kroatisch spricht, spürt sie die Veränderung – das Gefühl, nicht einfach eine fremde Hausbesitzerin zu sein, die vorbeizieht, sondern jemand, der wirklich auf die Menschen zugeht. Sie selbst nennt es ein Zeichen der Wertschätzung, und die Reaktionen der Menschen vor Ort bestätigen ihr das.
„Die Sprache und das Land gehören zusammen.“

Auch in ihrer Sportarbeit könnte Kroatisch bald eine Rolle spielen. Ein Floorball-Club nördlich von Zagreb ist ihr auf dem Radar, und sie kann sich gut vorstellen, dass daraus etwas wächst – eine Einladung zu einem Turnier nach Wien, oder ein Besuch in Kroatien. Wer dann die Sprache spricht, schlägt Brücken, die ein paar hundert Kilometer kürzer wirken. Für Andrea sind Sprache und Ort längst untrennbar. Ihr Rat an alle, die anfangen wollen: Geduld haben, weitermachen – und das Land erkunden. Die Sprache und die Kultur, sagt sie, gehören einfach zusammen.
Storys von Schülerinnen, Schülern und Lehrkräften
Entdecken Sie inspirierende Sprachlern-Geschichten und sehen Sie, wie andere Kroatisch lernen und unterrichten.



