Die Meldung auf Kroatisch
- prosvjedovati
javno izražavati nezadovoljstvo ili neslaganje s nekom odlukom ili stanjem, najčešće na ulici ili trgu ↩︎ - klaonica (f.)
mjesto ili zgrada u kojoj se životinje ubijaju i obrađuju za meso ↩︎ - okoliš (m.)
priroda i prostor oko nas, uključujući zrak, vodu, tlo, biljke i životinje ↩︎ - investitor (m.)
osoba ili tvrtka koja ulaže novac u neki projekt kako bi kasnije zaradila ↩︎ - projekt (m.)
plan ili posao koji treba napraviti, često veći i važniji, s određenim ciljem ↩︎ - odluka (f.)
ono što netko službeno ili čvrsto odluči učiniti nakon razmišljanja ↩︎
Übersetzung
Textverständnis
Question 1: Warum protestieren so viele Menschen in Zagreb gegen die Hühnerfarmen und den Schlachthof bei Sisak?
Question 2: Was finden die Investoren und einige Politiker gut an dem Projekt?
Lernwörter
| Kroatisch | Deutsch |
|---|---|
| prosvjedovati | |
| klaonica (f.) | |
| okoliš (m.) | |
| investitor (m.) | |
| projekt (m.) | |
| odluka (f.) | |
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Die Meldung in voller Länge
Zehntausende Menschen haben sich im Zentrum von Zagreb versammelt, um gegen ein geplantes Netz aus großen Hühnerzuchtanlagen und einem Schlachthof nahe der Stadt Sisak in Zentralkroatien zu demonstrieren. Das Vorhaben, forciert von der Firma Premium Chicken Company, die zum kroatischen Unternehmen Renaissance Capital d.o.o. mit einem ukrainischen Investor gehört, hat ein Volumen von rund 600 Millionen Euro.
Die geplante Investition umfasst rund 20 Industriekomplexe zur Mast und Schlachtung von Geflügel im Gespanschaftsgebiet Sisak-Moslavina, einer Region, die in den 1990er-Jahren vom Krieg und später von schweren Erdbeben stark getroffen wurde. Die zentrale Anlage wäre ein Schlachthof in Sisak mit einer Jahreskapazität von rund 84 Millionen Hähnchen.
Die Demonstrierenden, viele mit Transparenten und Fahnen, trafen sich zunächst auf dem König-Tomislav-Platz (Trg kralja Tomislava) und zogen dann weiter in den Zrinjevac-Park im Stadtzentrum. Aufgerufen zu der Kundgebung hatten die Umweltorganisation Zelena akcija (Green Action), die Tierschutzgruppe Prijatelji životinja (Animal Friends) sowie lokale Initiativen wie „Siščani ne žele biti Smetlišćani“ (etwa: „Die Menschen in Sisak wollen nicht wie Müll behandelt werden“) und „Sunjani ne žele biti smuljani“ („Die Menschen in Sunja wollen nicht übers Ohr gehauen werden“).
Nach Angaben der Veranstalter wurden der Protest von mehr als 150 zivilgesellschaftlichen Organisationen aus ganz Kroatien sowie mehreren internationalen Gruppen unterstützt. Viele Teilnehmende kamen direkt aus der Gespanschaft Sisak-Moslavina. Einige Anwohner berichten, sie lebten nur wenige Hundert Meter von den geplanten Standorten entfernt und fürchteten tiefgreifende Veränderungen ihres Alltags.
Die Gegner des Projekts argumentieren, der Megakomplex würde der Umwelt, der öffentlichen Gesundheit und dem Tierschutz erheblichen Schaden zufügen. Aktivisten warnen vor möglicher Luftverschmutzung, Gestank, Verunreinigung des Wassers und einer sogenannten „Übernitrifizierung“ von Böden und Grundwasser durch riesige Mengen an Tierexkrementen. Zudem heißt es, eine derart intensive industrielle Tierhaltung könnte lokale Wälder und Lebensräume für Wildtiere zerstören und die Region als Lebensort unattraktiv machen.
Für viele Demonstrierende steht das Projekt sinnbildlich für eine grundsätzliche Weichenstellung in Kroatien: Soll das Land eher auf großflächige, hochintensive Agrarinvestitionen setzen – oder auf kleinere, umweltverträglichere Formen der Entwicklung? Die Kritiker bezeichneten das Megafarm-System immer wieder als „mega zlo“ – ein „Mega-Übel“. Es könne, so ihre Warnung, „eine ganze Gespanschaft zerstören“ und eine landschaftlich reizvolle Gegend in eine „Horrorzone ohne normale Lebensbedingungen“ verwandeln.
Die Hauptorganisatoren verlasen sechs formelle Forderungen, gerichtet an die kroatische Regierung und Ministerpräsident Andrej Plenković. Sie verlangen einen vollständigen Stopp aller laufenden Umweltverträglichkeitsprüfungen im Zusammenhang mit diesen Geflügelprojekten, eine Überprüfung sämtlicher bislang erteilter positiver Bescheide sowie eine strategische, kumulative Studie über die Auswirkungen aller 20 geplanten Standorte auf Natur, Schutzgebiete, die menschliche Gesundheit und die lokale Wirtschaft.
Außerdem fordern sie, dass Staat und Kommunen sämtliche Formen der Unterstützung für das Megafarm-System zurückziehen und eine landesweite Grundsatzentscheidung treffen, wonach derartige Großkomplexe der Geflügelindustrie in Kroatien als untragbar gelten. Aktivisten kritisieren, die bisherigen öffentlichen Anhörungen seien weitgehend bloße „Formsache“ gewesen; auf detaillierte Bürgerfragen habe es kaum substanzielle Antworten gegeben.
Die Investoren und einige Politiker verweisen hingegen auf die erwarteten wirtschaftlichen Vorteile. Firmenvertreter erklärten auf Bürgerversammlungen, die Investition von 608 Millionen Euro werde in einem strukturschwachen Gebiet für Wirtschaftswachstum und neue Arbeitsplätze sorgen und so ländliche Gemeinden „revitalisieren“, die seit Jahren unter Abwanderung und fehlender Industrie leiden.

Unterstützer des Plans beschreiben die Gespanschaft Sisak-Moslavina als vernachlässigte, kriegsversehrte Region, die ihrer Ansicht nach dringend große Investitionen braucht. Bei einem jüngsten Runden Tisch im Parlament über die ökologischen und sozialen Folgen der Megafarmen verteidigte der HDZ-Abgeordnete und Vorsitzende des Veteranenverbands HVIDRA, Josip Đakić, das Projekt. Manche Landkreise wären „froh“, ein solches Angebot zu erhalten, argumentierte er. Die betroffenen Gebiete verdienten Aufbau, Wiederaufbau und Fortschritt – und dürften nicht „nur wegen sauberer Natur und sauberer Luft“ sich selbst überlassen bleiben.
Đakić präsentierte das Vorhaben auch als Chance, Kroatien zu einem Geflügelexporteur zu machen. Das Land importiere derzeit erhebliche Mengen an Hühnerfleisch, sagte er. Moderne Vorschriften und Kontrollbehörden sollten, so seine Behauptung, den Umwelt- und Gesundheitsschutz gewährleisten, falls das Projekt umgesetzt werde. Vor allem sein Gegenüberstellen von wirtschaftlicher Entwicklung und dem „bloßen“ Erhalt sauberer Luft löste in sozialen Medien heftige Kritik der Gegner aus.
Der kroatische Landwirtschaftsminister David Vlajčić versucht, öffentlich eine abgewogenere Position einzunehmen. In einer jüngsten Debatte in Sisak, bei der Aktivisten und Investoren aufeinandertrafen, erklärte er, Kroatien sei in der Geflügelproduktion nicht selbstversorgend und könne daher „nicht einfach alle“ Agrarinvestitionen ablehnen. Zugleich betonte er, das Ministerium werde den Bürgern nicht den Rücken kehren; ihre Bedenken müssten ernsthaft geprüft werden.
Unmittelbar vor dem Protest in Zagreb empfing Vlajčić Vertreter von Zelena akcija und Prijatelji životinja in seinem Ministerium. Nach Darstellung der Gruppen sagte der Minister zu, ihre schriftlichen Forderungen direkt an Ministerpräsident Plenković weiterzuleiten. Die Aktivisten sind der Ansicht, die endgültige Entscheidung liege nun bei der Zentralregierung, die wirtschaftliche Interessen, Energie- und Ernährungssicherheit, Umweltschutz und den Widerstand vor Ort gegeneinander abwägen müsse.
Auch die Lokalpolitik rund um Sisak ist gespalten. Der amtierende Bürgermeister von Sisak, Domagoj Orlić von der HDZ, hat öffentlich erklärt, das Projekt genieße nicht die Unterstützung der Stadt. Die geplanten Komplexe seien nicht mit den bestehenden Flächennutzungsplänen vereinbar, sagt er, und die Stadt werde ihre Planungsunterlagen nicht zu deren Gunsten ändern. Orlić macht die frühere Stadtführung dafür verantwortlich, dass kommunale Flächen verkauft wurden, wodurch der Investor überhaupt erst in die Region kam.
Ehemalige Mitglieder der Stadtspitze und Oppositionspolitiker kontern, die HDZ halte inzwischen auf Stadt-, Kreis- und Staatsebene die Macht in der Hand und verfüge damit, wie sie sagen, über „alle Hebel“, um das Projekt zu stoppen – sofern sie es wolle. Regierungsvertreter würden widersprüchliche Signale aussenden: Man solidarisiere sich öffentlich mit den Anwohnern, während in offiziellen Dokumenten die Investition weiterhin weitgehend begünstigt werde.
Die Auseinandersetzung ist längst über die lokalen Grenzen hinausgewachsen und wird inzwischen im kroatischen Parlament (Sabor) diskutiert. Kritik kam auch von der Diözese Sisak, die sich nur selten so direkt in Wirtschaftsprojekte einmischt. Verschiedene Oppositionsvertreter sehen in den Megafarmen einen möglichen „Präzedenzfall“, der ähnliche Großanlagen der Agrarindustrie in anderen Regionen Kroatiens nach sich ziehen könnte.
Für Sprachlernende und Leserinnen und Leser, die mit Kroatien weniger vertraut sind, verdeutlicht diese Debatte die grundsätzlichen Spannungen im Land zwischen wirtschaftlicher Entwicklung, Umweltschutz, Tierschutz und echter Beteiligung der Bevölkerung an politischen Entscheidungen. Auf der einen Seite stehen Investoren und Teile der Politik, die eine Chance sehen, die inländische Lebensmittelproduktion zu stärken und Arbeitsplätze in einer strukturschwachen Region zu schaffen. Auf der anderen Seite stehen Anwohner, Aktivisten sowie mehrere lokale und kirchliche Autoritäten, die langfristige Schäden für Böden, Wasser, Luftqualität und Lebensqualität befürchten.
Vorerst befindet sich das Projekt für Megafarmen und Schlachthof noch im Stadium von Genehmigungen, Umweltprüfungen und politischen Debatten. Nach der großen Demonstration in Zagreb und anhaltendem Druck sowohl der Befürworter als auch der Gegner wird die kroatische Regierung im In- und Ausland genau beobachtet werden, wenn sie entscheidet, ob und in welcher Form dieses umstrittene Geflügelprojekt weiterverfolgt oder gestoppt wird.
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Fortgeschritten: Berichte aus Kroatien
- VIDEO HDZ-Politiker verteidigt umstrittene Mega-Hühnerfarm bei Sisak (Index.hr)
- VIDEO Bürger protestieren gegen Hühnerfarm in Sisak: „Neben einem Schlachthof zu leben ist für mich wie ein Todesurteil“ (24sata)
- Zagreber Stadtzentrum im Ausnahmezustand: Demonstrierende setzen mit Fahnen und Transparenten ein Zeichen – „Magazlo!“ (Net.hr)
- Streit um Megaprojekt eskaliert: Bürger protestieren – „Die Regierung muss eine Investition stoppen, die Boden, Luft und Wasser vergiften würde“ (Večernji list)
- Tausende protestieren gegen Bau von Mastbetrieb und Schlachthof: „Wir haben das Recht, dieses ‚Mega-Übel‘ abzuwehren, das einen ganzen Landkreis zerstören könnte“ (Poslovni.hr)
- FOTOGALERIE Großer Protest in Zagreb: „Ein Mega-Übel kann einen ganzen Landkreis zerstören. Das muss der Premier wissen …“ (Dnevnik.hr)
- Video von Đakić, der ein Hühnerfarm-Projekt lobt, geht viral – man muss ihn gesehen haben (Jutarnji list)
- „Mega zlo“: Tausende Demonstranten in Zagreb protestieren gegen Hühnerfarm und Schlachthof, die ein ukrainischer Investor bei Sisak bauen will (Glas Istre)


