Die Meldung auf Kroatisch
Hrvatska rukometna reprezentacija1 vratila se u Zagreb s brončanom2 medaljom3. Tisuće navijača slavile su na Trgu bana Jelačića. Ipak, došlo je do svađe između Grada Zagreba i hrvatske vlade5 zbog nastupa4 pjevača Thompsona. Raspravljalo se o politici6, ali mnogi navijači samo su htjeli slaviti uspjeh ekipe.
- reprezentacija (f.)
sportska ili državna momčad koja predstavlja neku zemlju na natjecanjima ↩︎ - brončan
koji je od bronce ili je treći po redu, nakon zlatnog i srebrnog ↩︎ - medalja (f.)
mali okrugli metalni znak koji se dodjeljuje za uspjeh u sportu ili nekom drugom području ↩︎ - nastup (m.)
pojava ili izvođenje neke osobe ili skupine pred publikom ↩︎ - vlada (f.)
skupina najviših državnih dužnosnika koji upravljaju državom ↩︎ - politika (f.)
aktivnosti i odluke koje se tiču upravljanja državom ili društvom ↩︎
Übersetzung
Textverständnis
Question 1: Warum versammelten sich Tausende Fans auf dem Ban-Jelačić-Platz in Zagreb?
Question 2: Worum stritten sich die Stadt Zagreb und die kroatische Regierung?
Lernwörter
| Kroatisch | Deutsch |
|---|---|
| reprezentacija (f.) | |
| brončan | |
| medalja (f.) | |
| nastup (m.) | |
| vlada (f.) | |
| politika (f.) | |
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Die Meldung in voller Länge
Die kroatische Handball-Nationalmannschaft der Männer ist als Bronzemedaillengewinner der Europameisterschaft nach Zagreb zurückgekehrt – doch der offizielle Empfang auf dem Ban-Jelačić-Platz geriet ebenso sehr zu einem politischen Ereignis wie zu einer sportlichen Feier.
Tausende Fans füllten den Hauptplatz, um die Mannschaft zu begrüßen, nachdem sie bei der EM in Dänemark, Schweden und Norwegen den dritten Platz erobert hatte. Die Menge schwenkte kroatische Fahnen, zündete Bengalos und sang bekannte patriotische Lieder, während sie auf den Mannschaftsbus wartete.
Auf der Bühne wurden die Spieler mit donnerndem Applaus empfangen. Zunächst stellte der Moderator das Trainer- und Betreuerteam vor, dann Cheftrainer Dagur Sigurdsson und schließlich den Kader. Die Nationalhymne „Lijepa naša“ erklang, Kapitän Ivan Martinović dankte den Anhängern, nannte sie „ein Wunder“ und widmete ihnen die Medaille.
Im Zentrum der Kontroverse stand das musikalische Programm. Nach Angaben sowohl der Regierung als auch der Stadt wünschten sich die Handballer ausdrücklich Marko Perković Thompson, einen nationalistisch geprägten Rocksänger, dessen Lieder sie bereits während des Turniers angestimmt hatten. Sein Stück „Ako ne znaš što je bilo“ ist zur inoffiziellen Hymne dieser Mannschaft geworden.
Ursprünglich hatten sich die Stadt Zagreb und der Kroatische Handballverband auf einen von der Stadt organisierten Empfang geeinigt. Geplant waren Auftritte der Fanlieblinge Zaprešić Boysi und der Band Hrvatske ruže, die „Ako ne znaš što je bilo“ singen sollten. Vertreter der Stadt betonten, schon das zeige, dass man patriotischen Liedern keineswegs grundsätzlich ablehnend gegenüberstehe.
Der Konflikt eskalierte, als der Verband am Vorabend der Feier einen neuen Wunsch weitergab: Die Spieler wollten, dass Thompson persönlich auftritt. Bürgermeister Tomislav Tomašević lehnte ab und verwies auf einen Beschluss der Stadtverordnetenversammlung, der die Verwaltung verpflichtet, bei städtisch genehmigten Veranstaltungen den Gebrauch des Grußes aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs „Za dom spremni“ zu unterbinden. Tomašević argumentierte, Thompson habe diese Regel bei einem Konzert in der Zagreber Arena im Dezember missachtet, als er Berichten zufolge ein Lied mit der verbotenen Parole einleitete.
Nachdem die Stadt einen Empfang mit Thompson nicht genehmigte, sagte der Kroatische Handballverband die ursprünglich geplante Veranstaltung der Stadt ab. Am nächsten Morgen kündigte die Staatsregierung an, den Willkommensakt nun selbst zu organisieren – am selben Platz, in Zusammenarbeit mit dem Verband und im Einklang mit den musikalischen Wünschen der Mannschaft.
Damit stand die Frage nach den rechtlichen Zuständigkeiten im Raum. Zagrebs Bürgermeister warf der Regierung einen „Angriff des Staates auf die Stadt Zagreb“ vor und sprach von einem Verstoß gegen die verfassungsrechtlich garantierte Autonomie der kommunalen Selbstverwaltung. Er prangerte zudem eine Form „institutioneller Gewalt“ an und erklärte, die Zentralregierung benutze den Sport, um eine bestimmte politische und ideologische Erzählung durchzusetzen.

Die Regierung wies diese Vorwürfe scharf zurück. Ministerpräsident Andrej Plenković erklärte, der Staat sei erst eingesprungen, nachdem sich die Stadt faktisch aus der Ausrichtung des Empfangs zurückgezogen habe. Die Bronzemedaille gehöre der kroatischen Nationalmannschaft, nicht einer Stadtauswahl. Die Heimkehr der Handballer sei ein nationales Ereignis, das nicht allein von lokalen politischen Entscheidungen abhängen dürfe.
Plenković betonte, die geplante Musikauswahl stehe im Einklang mit den Regeln der Stadt. Man habe sich ausdrücklich nur auf „unkontroverse“ Lieder verständigt, und es sei falsch, automatisch davon auszugehen, dass Thompsons Anwesenheit zwangsläufig einen Verstoß gegen den Beschluss der Stadtverordnetenversammlung bedeute. Regierungsvertreter hielten zudem fest, nach ihrer Auffassung sei nichts Rechtswidriges geschehen, und das Kabinett habe die Befugnis, für einen Empfang zu sorgen, der der Leistung der Sportler angemessen sei.
Andere nationale Akteure reagierten völlig anders. Staatspräsident Zoran Milanović bezeichnete das Vorgehen der Regierung als verfassungswidrig und gesetzwidrig und sprach von einem „Piratenakt“ ohne rechtliche Grundlage. Er kritisierte das Auftreten der Polizei gegenüber städtischen Inspektoren auf dem Platz, sah in dem Vorfall einen gefährlichen Präzedenzfall für den Rechtsstaat und eine weitere Vertiefung der gesellschaftlichen Gräben.
Innerhalb der Regierungskoalition erklärte die rechtskonservative Partei Domovinski pokret (Heimatbewegung), die geltende Gesetzeslage sei unklar. Sie griff zwar den Bürgermeister an und warf ihm vor, Zagreb wie einen „Staat im Staate“ zu behandeln, kündigte aber zugleich an, neue Gesetze durchsetzen zu wollen. Diese sollen sicherstellen, dass Kommunen Veranstaltungen, die sie als von nationaler Bedeutung einstufen – darunter Empfänge für erfolgreiche Nationalteams –, nicht blockieren können.
Politische Beobachter kamen zu unterschiedlichen Bewertungen. Einige Kommentatoren hielten den Empfang klar für eine nationale Zeremonie, die nicht durch lokale Behörden ausgehebelt werden dürfe. Folgt man der städtischen Logik, so warnten sie, könnte eine Stadt künftig sogar Militärparaden oder nationale Feiertagsfeiern auf ihrem Gebiet verhindern. Andere richteten den Blick stärker auf den Kroatischen Handballverband und kritisierten, dieser habe mit seiner Fixierung auf einen bestimmten Sänger und der Missachtung der ursprünglichen Absprache mit der Stadt zugelassen, dass der sportliche Erfolg der Nationalmannschaft zum Spielball größerer politischer und kultureller Konflikte wurde.
Während der Veranstaltung selbst entsprach das musikalische Programm den Wünschen der Spieler. Nach Auftritten der Zaprešić Boysi und Ansprachen des Teams betrat Thompson gemeinsam mit Hrvatske ruže die Bühne. Sie sangen „Ako ne znaš što je bilo“ und weitere bei den Spielern beliebte Titel wie „Moj Ivane“, „Ravnoteža“, „Geni kameni“, „Dolazak Hrvata“ und „Lijepa li si“. Den Abschluss bildete das Lied „Prijatelji“, nach dem Sänger und Mannschaft für ein gemeinsames Foto posierten. Nach Berichten vom Platz tauchten in der Menge zwar Plakate mit Parolen wie „Za dom spremni“ auf, von der Bühne aus wurde der Slogan jedoch nicht verwendet.
Nicht alle auf dem Platz waren mit der Wahl des Hauptacts einverstanden. Mitglieder der Bürgerinitiative „Ujedinjeni protiv fašizma“ (Vereint gegen den Faschismus) entrollten während Thompsons Auftritt an einem benachbarten Gebäude ein großes Transparent mit der Aufschrift „Ujedinjeni protiv fašizma“. In Stellungnahmen gegenüber den Medien erklärten sie, sie wendeten sich gegen die ihrer Ansicht nach fortschreitende Normalisierung von Ustaša-Symbolik, gegen Geschichtsrevisionismus und politische Polarisierung durch staatlich gestützte Veranstaltungen. Zugleich kritisierten sie, die Regierung missachte kommunale Entscheidungen und nutze Sport und Musik, um die Gesellschaft weiter nach rechts zu rücken.
Die Debatte um den Empfang legt tiefere Spannungen im kroatischen öffentlichen Leben offen: Auseinandersetzungen über das Erbe des Zweiten Weltkriegs, die Rolle nationalistischer Symbole, die Grenzen von kommunaler gegenüber zentralstaatlicher Macht und die Frage, inwieweit sportliche Erfolge mit bestimmten politischen oder ideologischen Botschaften verknüpft werden sollten.
Für die Spieler und die meisten Fans auf dem Platz stand offenbar die Freude über eine neue Medaille für den kroatischen Handball im Vordergrund. Für viele Politiker, Aktivisten und Kommentatoren hingegen ist der Abend längst zu einem Bezugspunkt in den anhaltenden Debatten über Demokratie, Erinnerungspolitik und Identität im heutigen Kroatien geworden.
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Fortgeschritten: Berichte aus Kroatien
- Wunsch erfüllt: Bronze-Handballer und Tausende Fans singen mit Thompson (Dnevnik.hr)
- FOTO & VIDEO / „Bis zum nächsten Jahr: Das letzte Lied ist gesungen“ (Glas Istre)
- Silvester im Schatten der Spaltung: Für das politische Klima ist eine andere Tatsache viel interessanter (Večernji list)
- Tomašević attackiert Regierung und Plenković: „Die Masken sind gefallen – der Staat greift Zagreb an“ (Net.hr)
- Transparent gegen Faschismus beim Empfang: „Zagreb wird keine Kulisse für Hass und Geschichtsverfälschung sein“ (24sata)
- Die heuchlerischen Thompson-Jungs (Index.hr)


