Eine Sprache, die immer zu ihm gehörte
Niclas ist auf dem Dorf aufgewachsen, lebt aber seit fünf Jahren in Leipzig – dorthin gezogen der Arbeit wegen, geblieben wegen der Möglichkeiten, die das Stadtleben bietet. Sein Vater ist Kroate. Weil er während Niclas‘ Kindheit aber oft monatelang auf Montage war, ist das Kroatischlernen irgendwie nie passiert. Kein bewusster Verzicht – einfach verpasst, wie so manches im Leben.

„Es hat mich immer geärgert, dass ich mich mit meiner Familie nicht richtig unterhalten konnte.“
Der Wunsch war trotzdem immer da. Mal fehlte die Zeit, mal die Energie. Irgendwann packte es ihn: Jetzt oder nie. Dass es die richtige Entscheidung war, bestätigte ihm sein letzter Augustbesuch in Kroatien – die Familie merkte den Unterschied, und das reichte ihm als Beweis, dass es sich gelohnt hat.
Vom Dorffeuerwehrmann zum Schiedsrichter
Bevor Kroatisch in sein Leben trat, hatte Niclas sich anderswo bewiesen. Neun Jahre lang war er aktives Mitglied der freiwilligen Feuerwehr in seinem Heimatdorf – bei Bränden, Verkehrsunfällen, allem, was nachts um drei klingeln lässt. Seit dem Umzug nach Leipzig ist das zeitlich nicht mehr möglich, aber die Erfahrung sitzt. Es war anstrengend, sagt er – auf die Art, wie Dinge anstrengend sind, die wirklich zählen.
Was ihn in die Stadt begleitet hat, ist der Fußball. Seit 13 Jahren pfeift Niclas als Schiedsrichter – seit der Hälfte seines Lebens. Daneben: Karaoke, je nach Stimmung mal Partylied, mal Ballade; Reisen, von Kapstadt bis in die USA; Freunde treffen. Südamerika steht noch auf der Liste. Kroatien steht jedes Jahr drauf.
Angenehm überrascht vom Online-Unterricht
Dass Online-Lernen etwas für ihn sein könnte, hätte Niclas am Anfang nicht erwartet. Zu abstrakt, zu wenig greifbar – so ungefähr lautete seine Vorstellung davon. Eines Besseren belehrt wurde er schnell. Materialien vorab, Vorbereitung zu Hause, dann gemeinsam durch den Stoff: Das passt zu seiner Art, Dinge anzugehen. Dass er bisher immer in guten Gruppen gelandet ist, macht es leichter – und macht einfach mehr Spaß.
„Ich war anfangs sehr skeptisch, ob mir das Online-Lernen liegt – aber ich wurde eines Besseren belehrt. Es macht wirklich viel Spaß und klappt super.“
Die Sprache selbst hat ihn auf zweierlei Art überrascht: positiv und weniger positiv. Positiv: Kroatisch schreibt sich, wie es klingt. „Kompjuter“, „menadžer“, „tinejdžer“ – keine Doppelkonsonanten, keine Stolperfallen. Was man hört, schreibt man hin. Was ihn mehr beschäftigt, sind die Fälle. Welche Form, welcher Kontext, welche Frage stellt man eigentlich – das ist eine andere Denkweise als im Deutschen, und genau da arbeitet er gerade.
Montag ist Kroatisch-Tag
Niclas hat seinen Lernrhythmus klar strukturiert. Montag gehört dem Kroatischen: Kurs am Abend, Vorbereitung vorher, Wiederholung danach. Wenn die Woche es erlaubt, kommen Vokabeltraining und ein bisschen Grammatik dazu – kein großer Aufwand, aber kontinuierlich. Und das, sagt er, ist es, was wirklich etwas bewegt.
Geübt wird auch abseits des Kurses. Mit seinem Vater schreibt er immer öfter auf Kroatisch – nicht immer reibungslos, wenn es schnell gehen muss, aber der Wille ist da. Auf der Arbeit hat er kroatische Kollegen; manchmal fließen ein paar Sätze ein, auch wenn der Alltagsstress das nicht immer zulässt. Die Gelegenheit wird genutzt, wann immer sie sich bietet.
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Den Faden nicht verlieren
Niclas hat keinen einzelnen Durchbruchsmoment erlebt – keinen Tag, an dem plötzlich alles klick gemacht hat. Fortschritt kam für ihn durch Kontinuität: Woche für Woche, Lektion für Lektion. Wenn Familie und Kollegen zurückmelden, dass sich etwas verändert hat, dann weiß er, dass er auf dem richtigen Weg ist. Der strukturierte Aufbau des Kurses – Grammatik von Grund auf, Schritt für Schritt – hat dabei geholfen, statt wahllos Vokabeln zu sammeln.
„Wer es gut sprechen möchte, muss schon was machen.“

Sein Rat an alle, die mit Kroatisch anfangen wollen, ist direkt: Dranbleiben. Wer mal eine Stunde verpasst, sieht sich die Aufzeichnung an, spricht mit der Lehrerin oder den Mitschülern – aber verliert nicht den Anschluss. Denn wer einmal den Faden verloren hat, hat es schwer, wieder reinzukommen. Wie gut man am Ende spricht, hängt davon ab, wie viel man bereit ist zu investieren. Das klingt simpel. Niclas meint es ernst.
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