Protest in Sisak richtet sich gegen geplante Hühner‑Megafarmen

Lernnachrichten | 26.04.2026

Die heutige Geschichte in Lernnachrichten Kroatisch erzählt, warum Menschen aus mehreren Gespanschaften in Sisak gegen neue Hühner‑Megafarmen und Schlachthöfe demonstriert haben – und welche konkreten Schritte sie jetzt von der Regierung verlangen.

Protest in Sisak richtet sich gegen geplante Hühner‑Megafarmen

Die Meldung auf Kroatisch

U Sisku su se okupili ljudi iz više županija1. Oni prosvjeduju2 protiv velikih farmi pilića i klaonica3. Građani se boje smrada4, zagađenja5 zraka i vode te bolesti. Kažu da takvi projekti6 uništavaju male obiteljske farme i selo. Traže da država zaustavi ove planove.

  1. županija  (f.)
    područje u državi koje ima svoju lokalnu vlast i upravu ↩︎
  2. prosvjedovati
    javno pokazivati nezadovoljstvo zbog nečega, često na ulici ↩︎
  3. klaonica  (f.)
    posebna zgrada ili mjesto gdje se životinje zakolju za meso ↩︎
  4. smrad  (m.)
    vrlo neugodan, jak i loš miris ↩︎
  5. zagađenje  (n.)
    prljanje okoliša štetnim tvarima koje loše utječu na prirodu i zdravlje ↩︎
  6. projekt  (m.)
    plan za veći posao ili izgradnju, koji opisuje što će se raditi i kako ↩︎

Übersetzung

In Sisak haben sich Menschen aus mehreren Gespanschaften versammelt. Sie protestieren gegen große Hühnerfarmen und Schlachthöfe. Die Bürgerinnen und Bürger haben Angst vor Gestank, Luft- und Wasserverschmutzung sowie vor Krankheiten. Sie sagen, dass solche Projekte kleine Familienbetriebe und das Dorfleben zerstören. Sie fordern, dass der Staat diese Pläne stoppt.

Textverständnis

Question 1: Warum protestieren die Menschen in Sisak gegen die großen Hühnerfarmen und Schlachthöfe?

Sie fürchten starken Gestank, Luft- und Wasserverschmutzung sowie Krankheiten und sind überzeugt, dass diese Projekte kleine Familienbetriebe und Dörfer zerstören.

Question 2: Was soll die Regierung nach dem Willen der Demonstrierenden mit den geplanten Hühner‑Megafarmen tun?

Sie fordern, dass die Regierung die Pläne für die großen Hühnerfarmen und Schlachthöfe stoppt beziehungsweise aufhebt.

Lernwörter

KroatischDeutsch
županija  (f.)Gespanschaft
prosvjedovati protestieren
klaonica  (f.)Schlachthof
smrad  (m.)Gestank
zagađenje  (n.)Verschmutzung
projekt  (m.)Projekt

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Die Meldung in voller Länge

Zwischen einigen Hundert und mehreren Tausend Menschen, je nach Schätzung der Veranstalter, haben sich in der zentralkroatischen Stadt Sisak versammelt, um gegen Pläne für großangelegte Hühnerfarmen und Schlachthöfe zu demonstrieren, die von Aktivisten oft als „Megafarmen“ und „mega‑klaUGHTERS“ bezeichnet werden. Die Kundgebung mit dem Titel „Protest, um Kroatien vor Megafarmen und Schlachthöfen zu retten“ zog Bürgerinnen und Bürger aus mindestens vier Gespanschaften an.

Der Protest begann auf dem Trg Republike, dem Platz vor dem Hauptbahnhof, und zog dann über die Hauptstraße und die Fußgängerzone in Richtung Trg bana Josipa Jelačića im Stadtzentrum. Entlang der Route trugen die Teilnehmer Plakate mit Parolen wie „Profit für sie, Gestank für uns“, „Kroatien geben wir nicht her“, „Wir sind nicht käuflich“ und „NEIN zu Megafarmen, JA zum Leben“. Häufig zitiert wurde auch die Botschaft: „Das ist nicht nur ein lokales Problem. Es geht um die Zukunft Kroatiens“.

Organisiert wurde der Protest von der lokalen Initiative „Siščani ne žele biti smetliščani“ (etwa: „Die Menschen in Sisak wollen nicht wie Müll behandelt werden“), mit Unterstützung der Umweltorganisation Zelena akcija (Grüne Aktion), der Tierrechtsgruppe Prijatelji životinja (Animal Friends) sowie eines Netzwerks von Bürgerinitiativen aus den Gespanschaften Sisak-Moslavina, Zagreb, Varaždin und Koprivnica-Križevci.

Auslöser des Protests sind Pläne von zwei Investoren, darunter nach Medienberichten auch ukrainische Geflügelkonzerne, in Kroatien ein integriertes System der industriellen Geflügelproduktion aufzubauen. Nach Angaben der Organisatoren sind 24 große Mastanlagen in 12 Orten in drei Gespanschaften vorgesehen – mit einer Gesamtkapazität von rund 270 Millionen Hühnern pro Jahr. An einzelnen Standorten, so die Kritiker, sollen jeweils zig Millionen Tiere gehalten werden – Dimensionen, die sie für ihre Gemeinden als beispiellos bezeichnen.

Zwar werden die Vorhaben offiziell als getrennte Investitionsprojekte dargestellt, doch die Organisatoren betonen, dass sich ihre Umweltauswirkungen aufsummieren. Sie warnen vor gewaltigen Mengen an Gülle, Abwasser und biologischen Abfällen, verbunden mit nach ihren Worten intensivem, anhaltendem Gestank. Die bestehende Infrastruktur für Abfall- und Abwasserbehandlung sei völlig unzureichend, um solche Volumina zu bewältigen; tragfähige technische Lösungen, so der Vorwurf, seien der Öffentlichkeit bislang nicht überzeugend präsentiert worden.

Aus Sicht der Demonstrierenden sind die ökologischen Sorgen eng verknüpft mit Gesundheits- und Lebensqualitätsfragen. Rednerinnen und Redner in Sisak äußerten die Befürchtung, dass es zu Luft‑, Wasser‑ und Bodenverschmutzung kommen könnte, mit möglichen Folgen für die menschliche Gesundheit und Schäden an der Biodiversität. Manche beschrieben das geplante System als „Öko‑Bombe“ und stellten die Frage, ob die Bevölkerung ein solches Großexperiment der intensiven Tierhaltung in unmittelbarer Nähe ihrer Wohnorte hinnehmen solle.

Über die Umweltargumente hinaus konzentrierten sich viele Teilnehmer auf die möglichen Folgen für die lokale Landwirtschaft. Vertreter aus Dörfern wie Velika Ludina, Lipovljani, Sunja und anderen betroffenen Orten warnten, die Projekte könnten nach ihrer Einschätzung den Zusammenbruch des bestehenden kroatischen Geflügelsektors beschleunigen und zum Verschwinden kleiner Familienbetriebe führen. Die Demonstrierenden hoben hervor, dass die geplante Jahresproduktion ein Mehrfaches der bisherigen kroatischen Geflügelproduktion ausmachen würde – und befürchten, dass kleinere Erzeuger dadurch vom Markt verdrängt werden.

Protest in Sisak richtet sich gegen geplante Hühner‑Megafarmen
Protest in Sisak richtet sich gegen geplante Hühner‑Megafarmen

Für viele Redner ging es auch um die Lebensweise im ländlichen Kroatien. Sie betonten ihren Wunsch, im Einklang mit der Natur zu leben und weiterhin das zu erzeugen, was sie als regionale, selbst erzeugte Lebensmittel verstehen. Einige Anwohner äußerten die Sorge, starker Gestank und die Angst vor Verschmutzung könnten die Entvölkerung ohnehin schon gefährdeter Regionen weiter beschleunigen, in denen das demografische Gleichgewicht als fragil gilt.

Der Protest in Sisak ist Teil einer breiteren Kampagne, die als lokale Initiative begann und sich inzwischen auf die gesamtkroatische Ebene ausgeweitet hat. Aktivisten kündigten an, im Juni vor der kroatischen Regierung in Zagreb erneut zu demonstrieren. Ihre zentralen Forderungen richten sich an die Staatsinstitutionen, insbesondere an die Zentralregierung und das Ministerium für Umweltschutz und grüne Transformation.

In einem gemeinsamen Forderungskatalog verlangen die Organisatoren die sofortige Aussetzung sämtlicher Umweltverträglichkeitsprüfungen, die mit den Geflügel‑Megaprojekten zusammenhängen; eine Überprüfung aller bisherigen Entscheidungen, mit denen Projekte als mit dem ökologischen Netz vereinbar erklärt oder von Prüfungen ausgenommen wurden; sowie eine gebündelte (kumulative) Umweltverträglichkeitsprüfung, die alle Standorte und beide Investoren gemeinsam umfasst. Außerdem dringen sie auf eine verbindliche Entscheidung auf nationaler Ebene, dass derartige großdimensionierte Geflügelprojekte in Kroatien grundsätzlich nicht akzeptabel seien.

Der Protest in Sisak folgt auf einen vorangegangenen Verwaltungsschritt auf nationaler Ebene. Das Umweltministerium hat die Umweltverträglichkeitsstudie für einen der geplanten großen Hühnerschlachthöfe in Sisak bereits abgelehnt. Dennoch kündigen die lokalen Initiativen an, ihren Widerstand gegen alle damit verbundenen Megafarm- und Schlachthofprojekte in der Region fortzusetzen.

Mit wachsendem öffentlichen Druck sahen sich verschiedene Ebenen von Politik und Verwaltung zu Reaktionen veranlasst. Die Gemeindeführung von Velika Ludina wies Behauptungen zurück, in ihrer Wirtschaftszone solle eine Geflügelverarbeitungsanlage entstehen. Die Stadt Sisak bekräftigte ihre Haltung, dass eine geplante Biogasanlage, die in der öffentlichen Debatte mit dem Geflügelsystem in Verbindung gebracht wird, nicht zum geltenden Raumordnungsplan passe – und dass die Stadt nicht vorhabe, diesen Plan zu ändern.

Die nationale Agrarministerin Marija Vučković äußerte sich zu Aspekten, die in die Zuständigkeit des Umweltressorts fallen. Sie hob hervor, die Vorhaben unterlägen förmlichen Verwaltungsverfahren zur Umweltverträglichkeitsprüfung. Das Ministerium sei verpflichtet, die Öffentlichkeit zu informieren, ihre Beteiligung zu ermöglichen und den Zugang zu Gerichten sicherzustellen. Für laufende Projekte sei zudem eine kumulative Wirkungsanalyse erforderlich, die geplante und bereits bestehende Anlagen an den jeweiligen Standorten gemeinsam betrachtet – im Einklang mit der kroatischen Verordnung über Umweltverträglichkeitsprüfungen.

Die Investoren selbst kommen in den bislang verfügbaren Berichten kaum zu Wort, und ausführliche technische Unterlagen wurden in den Medien bislang nicht breit vorgestellt. Befürworter solch großer Agrarinvestitionen verweisen im Allgemeinen darauf, dass diese neue Arbeitsplätze, höhere Produktion und Exportchancen schaffen und eine stärkere Einbindung in moderne agroindustrielle Systeme ermöglichen könnten. Diese möglichen ökonomischen Vorteile spielten bei der Kundgebung in Sisak jedoch kaum eine Rolle – dort stand klar der Schutz der Umwelt, die öffentliche Gesundheit und das Überleben des ländlichen Raums im Mittelpunkt.

Die Lage bleibt damit offen. Auf der einen Seite fordern Bürgerinitiativen sowie Umwelt‑ und Tierschutzgruppen, die Projekte vollständig zu stoppen und der Öffentlichkeit bei planerischen Entscheidungen mehr Gewicht zu geben. Auf der anderen Seite verweisen staatliche Stellen auf laufende rechtliche und verwaltungsrechtliche Verfahren und auf die Pflicht, die formalen Regeln der Umweltprüfung einzuhalten. Wie es mit den geplanten Geflügel‑Megafarmen in Kroatien weitergeht, dürfte sich erst in den kommenden Auseinandersetzungen zwischen Regierung, lokalen Behörden, Investoren und Anwohnern entscheiden.

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