Kroatiens Hochstufung sorgt für politischen Streit

Lernnachrichten | 17.03.2026

In der heutigen Ausgabe von Lernnachrichten Kroatisch blicken wir auf Kroatiens bessere Kreditwürdigkeit, die gegensätzlichen Deutungen zentraler Akteure – und darauf, wie wachsende politische Spannungen mit Serbien den größeren Rahmen setzen.

Kroatiens Hochstufung sorgt für politischen Streit

Die Meldung auf Kroatisch

Agencija1 Standard & Poor’s podigla je kreditni rejting2 Hrvatske. Guverner3 HNB‑a kaže da to pokazuje povjerenje investitora4 i da Hrvatska mora nastaviti reforme. Predsjednik Milanović misli da rejting2 nije toliko važan kao kamate na zaduživanje5. Istovremeno raste politička napetost6 između Hrvatske i Srbije.

  1. agencija  (f.)
    organizacija ili ured koji obavlja određene poslovne ili javne zadatke ↩︎
  2. rejting  (m.)
    ocjena ili rang nečije kvalitete, pouzdanosti ili uspjeha ↩︎
  3. guverner  (m.)
    čelni čovjek neke važne institucije, osobito središnje banke ili pokrajinske vlasti ↩︎
  4. investitor  (m.)
    osoba ili tvrtka koja ulaže novac s ciljem da ostvari dobit ↩︎
  5. zaduživanje  (n.)
    proces u kojem netko uzima posuđeni novac i obvezuje se vratiti ga uz određene uvjete ↩︎
  6. napetost  (f.)
    stanje u kojem postoji sukob ili neslaganje pa se osjeća nervoza i nelagoda ↩︎

Übersetzung

Die Ratingagentur Standard & Poor’s hat die Kreditbewertung Kroatiens angehoben. Der Gouverneur der kroatischen Nationalbank erklärt, dass dies das Vertrauen der Investoren zeigt und dass Kroatien die Reformen fortsetzen muss. Präsident Milanović ist der Meinung, dass die Bewertung nicht so wichtig ist wie die Zinsen für neue Schulden. Gleichzeitig nehmen die politischen Spannungen zwischen Kroatien und Serbien zu.

Textverständnis

Question 1: Was sagt der Gouverneur der Kroatischen Nationalbank, was die bessere Bewertung zeigt, und was müsse Kroatien tun?

Er sagt, die höhere Kreditwürdigkeit zeige das Vertrauen der Investoren in Kroatien, und Kroatien müsse seine Reformen fortsetzen.

Question 2: Worin unterscheidet sich die Einschätzung von Präsident Milanović zur Kreditwürdigkeit von der Sicht des Notenbankgouverneurs?

Präsident Milanović hält das Rating für weniger wichtig als die Zinssätze, zu denen sich der Staat verschuldet, während der Gouverneur die Hochstufung als wichtiges Signal für das Vertrauen der Investoren sieht.

Lernwörter

KroatischDeutsch
agencija  (f.)die Agentur
rejting  (m.)das Rating
guverner  (m.)der Gouverneur
investitor  (m.)der Investor
zaduživanje  (n.)die Verschuldung / die Kreditaufnahme
napetost  (f.)die Spannung

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Die Meldung in voller Länge

Die internationale Ratingagentur Standard & Poor’s (S&P) hat Kroatiens Kreditwürdigkeit von A- auf A mit stabilem Ausblick angehoben und das Land damit in die Gruppe von Staaten mit höherer Bonität katapultiert. Die Entscheidung hat in Zagreb eine breite politische Debatte ausgelöst – und ist zudem in einem separaten diplomatischen Streit zwischen Kroatien und Serbien aufgegriffen worden.

Nach Einschätzung von Boris Vujčić, dem Gouverneur der Kroatischen Nationalbank (HNB), ist die Hochstufung vor allem ein Vertrauensbeweis in die jüngste makroökonomische Politik Kroatiens. Nach einer Studentendebatte in der Zentralbank erklärte er, der Schritt festige das Vertrauen der Investoren und bestätige Prognosen anhaltenden Wachstums. Ratingagenturen sähen Kroatien auf einem „guten Weg“, betonte Vujčić – warnte aber, dass das allein nicht ausreiche.

Der Notenbankchef hob die Notwendigkeit hervor, die strukturellen Reformen weiter voranzutreiben, um das Wachstum langfristig zu sichern. Über diese Reformen werde seit Jahren gesprochen, manches sei teilweise umgesetzt, anderes stehe noch aus. Zugleich unterstrich er, wie wichtig es sei, die öffentlichen Finanzen im Griff zu behalten – ein Punkt, den die Ratingagenturen ebenfalls genau beobachten. Die bessere Bewertung sei daher zugleich Anerkennung und Mahnung, die Reformanstrengungen nicht nachzulassen.

Präsident Zoran Milanović liefert hingegen eine deutlich skeptischere Deutung. Am Rande eines Gedenk-Schachturniers in Zagreb erklärte er vor Journalisten, Kreditratings seien heute weniger wichtig als früher. Für manche würden sie wieder zu einem „Fetisch“ werden, doch entscheidend sei letztlich, wie sich ein Staat verschuldet und zu welchem Zinssatz.

Milanović verwies darauf, dass ein Land theoretisch ein sehr hohes Rating haben könne und sich dennoch relativ teuer verschulden müsse, während ein anderes mit schwächerer Einstufung bei günstigen Marktbedingungen billiger Geld bekomme. Er erinnerte daran, dass in den Jahren 2015–2016, als er Regierungschef war, die Zinsen auf kroatische Staatsanleihen historisch niedrig lagen – obwohl das Rating damals schlechter war als heute. Die jetzige Hochstufung sei daher ein attraktiver „Bühnenaufbau“, garantiere aber keineswegs automatisch niedrige Finanzierungskosten.

Der Präsident stellte zudem die starke Abhängigkeit Kroatiens von EU-Geldern infrage, insbesondere von Mitteln aus dem Plan für Wiederaufbau und Resilienz (NPOO), den er als sehr großzügige finanzielle „Pumpe“ für die amtierende Regierung bezeichnete. Er warnte, dass dieser Zufluss zeitlich befristet sei und in naher Zukunft weitgehend auslaufe. Milanović fragte, was Kroatiens überdurchschnittliches Wachstum tragen werde, wenn diese externen Mittel versiegen, und erinnerte daran, dass viele neue EU-Mitglieder nur solange überdurchschnittliche Raten verzeichneten, wie solche Fonds sprudelten.

Kroatiens Hochstufung sorgt für politischen Streit
Kroatiens Hochstufung sorgt für politischen Streit

Unter Verweis auf Projektionen des Finanzministeriums sagte er, Kroatien werde voraussichtlich um das Jahr 2027 seine Staatsverschuldung wieder erhöhen. Selbst die dann niedrigsten verfügbaren Zinssätze dürften höher liegen als jene, zu denen sich Kroatien einst verschulden konnte, als sein Rating schlechter war, so Milanović. Die Regierung könne die Kreditaufnahme ausweiten und ein größeres Defizit im Staatshaushalt in Kauf nehmen, um mit anhaltendem Wachstum in das Wahljahr 2028 zu gehen. Er stellte klar, dass es sich dabei um seine politische Einschätzung handle, nicht um eine offizielle Haushaltsprognose.

Milanović verglich die aktuelle Lage zudem mit der Zeit seiner eigenen Regierung. Damals habe Kroatien, so seine Formulierung, einen „veredelten Ramschstatus“ geerbt und das Land dann in Richtung minimalen Haushaltsdefizits und positiver Leistungsbilanz geführt. Das sei damals das Maximum an fiskalischer Konsolidierung gewesen; inzwischen sei Kroatiens Außenbilanz aber wieder negativ.

Die Debatte um die Hochstufung fällt in eine Phase wachsender politischer Spannungen in der Region. Auf einem Strategieforum im slowenischen Bled äußerte sich Kroatiens Premier Andrej Plenković zu den Aussichten einer weiteren EU-Erweiterung bis 2030. Er zeigte sich skeptisch und verwies auf ungelöste Probleme in mehreren Staaten des Westbalkans. Über Serbien sagte er, dort gebe es seit mehr als zwei Jahren Proteste und innere Unruhen; das Land sei „am Rande eines Bürgerkriegs“.

Die Äußerung rief eine heftige Reaktion von Ana Brnabić hervor, der Präsidentin der Serbischen Nationalversammlung und früheren Ministerpräsidentin. Auf dem Netzwerk X wies sie Plenkovićs Beschreibung Serbiens als unwahr und unrealistisch zurück. Aus ihrer Sicht gebe es in Kroatien Akteure, die Serbien gerne in einer solchen Krise sähen, weil sie das offenbar als Möglichkeit betrachteten, Präsident Aleksandar Vučić von der Macht zu verdrängen. Zum „großen Glück“ Serbiens und der meisten seiner Bürger stehe das Land jedoch nicht am Rand eines Bürgerkriegs, betonte sie.

Brnabić griff zudem auf eine Anspielung auf ein bekanntes serbisches Lied zurück, um zu unterstreichen, dass Versuche, Serbien zu destabilisieren, scheitern würden, und richtete eine kurze, spöttische Bemerkung an nicht namentlich genannte kroatische Persönlichkeiten. Ihre Reaktion zeigt, wie Einschätzungen der inneren Stabilität und der Protestbewegungen in Serbien Teil einer größeren politischen Auseinandersetzung zwischen Kroatien und Serbien geworden sind – selbst im Rahmen von Debatten über EU-Erweiterung und regionale Sicherheit.

In der Summe wird deutlich, wie Kroatiens jüngste Wirtschaftsdaten und die verbesserte Kreditwürdigkeit von den wichtigsten politischen Akteuren sehr unterschiedlich interpretiert werden: Die Notenbank verweist auf das gestärkte Vertrauen der Investoren und die Notwendigkeit weiterer Reformen, der Präsident stellt den praktischen Nutzen für Refinanzierungskosten und künftiges Wachstum infrage, und der Premier verknüpft Fragen regionaler Stabilität und demokratischer Standards in den Nachbarstaaten mit der Agenda der EU-Erweiterung. Die serbische Führung wiederum weist kroatische Warnungen vor Instabilität entschieden zurück – ein Beleg für die anhaltenden politischen Empfindlichkeiten auf dem westlichen Balkan.

Info: Lernnachrichten Kroatisch ist ein Angebot von „Lernen wir Kroatisch“, einer Sprachschule, die sich auf Kroatisch als Fremdsprache spezialisiert hat. In diesem Rahmen bieten wir unter anderem Kroatisch Privatunterricht sowie verschiedene Online-Kurse an, die sich an Lernende mit unterschiedlichen Vorkenntnissen richten.


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