Die Meldung auf Kroatisch
U Korenici u Lici ljudi prosvjeduju1 protiv plana države. Vlada želi izgraditi centar za migrante2 u Željavi, blizu granice3 s Bosnom i Hercegovinom. Mještani4 žele da Željava bude turističko5 mjesto, zajedno s Plitvičkim jezerima. Boje se za turizam, sigurnost i jer nemaju dovoljno infrastrukture6.
- prosvjedovati
javno izražavati nezadovoljstvo ili protivljenje nečemu, često na ulici ili trgu ↩︎ - migrant (m.)
osoba koja se seli iz jedne zemlje ili područja u drugo, najčešće radi posla ili boljeg života ↩︎ - granica (f.)
crta ili područje koje razdvaja dvije države, regije ili posjede ↩︎ - mještanin (m.)
ljudi koji stalno žive u nekom selu ili gradu, lokalno stanovništvo ↩︎ - turistički
koji se odnosi na turiste ili turizam, namijenjen posjetiteljima nekog mjesta ↩︎ - infrastruktura (f.)
osnovne građevine i sustavi potrebni za život i rad ljudi, npr. ceste, vode, struja, kanalizacija ↩︎
Übersetzung
Textverständnis
Question 1: Warum protestieren die Menschen in Korenica?
Question 2: Wofür möchten die Menschen vor Ort Željava statt eines Migrantenzentrums nutzen?
Lernwörter
| Kroatisch | Deutsch |
|---|---|
| prosvjedovati | |
| migrant (m.) | |
| granica (f.) | |
| mještanin (m.) | |
| turistički | |
| infrastruktura (f.) | |
6-wöchiger Email-Kurs (kostenlos)
Gerade erst mit Kroatisch angefangen? Erhalten Sie jede Woche eine einfache Lektion plus eine kurze Übung zum Festigen. Jetzt eintragen und direkt loslegen!

Die Meldung in voller Länge
Mehrere Hundert Einwohnerinnen und Einwohner der dünn besiedelten Region Lika in Zentralkroatien haben sich am Sonntag in der Kleinstadt Korenica versammelt, um gegen einen Regierungsplan zu demonstrieren: In Željava, dem Gelände eines ehemaligen Militärflugplatzes nahe der Grenze zu Bosnien und Herzegowina, soll ein Aufnahmezentrum für Migranten entstehen.
Organisiert wurde die Kundgebung von der Gemeinde Plitvička Jezera, zu der auch Teile des weltberühmten Nationalparks Plitvicer Seen gehören. Nach Angaben des Bürgermeisters Hrvoje Matejčić von der unabhängigen Liste „Stop“ nahmen rund fünfhundert Menschen aus Lika und anderen Landesteilen teil. Die Demonstrierenden trugen Transparente mit Aufschriften wie „Željava geben wir nicht her“, „Von MiGs zu Migranten“ und „Baut Wohnungen für junge Leute, nicht Lager für Migranten“.
Das Vorhaben steht im Zusammenhang mit dem neuen EU-Pakt zu Migration und Asyl, der ab Mitte 2024 schrittweise wirksam wird. Demnach sollen EU-Außengrenzstaaten Einrichtungen schaffen, in denen Migranten aus Ländern mit niedriger Schutzquote untergebracht werden, während ihr Status geprüft wird. Kroatische Medien berichten, das Innenministerium prüfe mehrere Standorte; Željava sei im Gespräch, weil es sich um staatseigenes Gelände direkt an der Grenze handelt – gelegen an einer viel genutzten Route von Migranten in Richtung Slowenien.
Nach den von lokalen Vertretern präsentierten Informationen wäre in Željava ein Projekt in zwei Etappen vorgesehen. In einer ersten Phase soll auf der ehemaligen Start- und Landebahn ein provisorisches Lager mit rund 450 Wohncontainern entstehen, umgeben von einem Zaun. In der zweiten Phase ist ein dauerhaftes Zentrum mit modularen Gebäuden auf dem Areal der früheren Kaserne geplant. Das Lager ist den Angaben zufolge auf bis zu 1.500 Migranten ausgelegt, dazu kämen 150 bis 200 Polizisten und Bedienstete. Die Baukosten sollen Berichten nach aus EU-Mitteln der Europäischen Kommission finanziert werden.
Bürgermeister Matejčić und viele Menschen in der Region lehnen das strikt ab. Sie verweisen darauf, dass der Komplex Željava, einst ein bedeutender Luftwaffenstützpunkt Jugoslawiens mit unterirdischen Tunneln und mehreren Pisten, schon heute Zehntausende Besucher im Jahr anzieht und erhebliches touristisches Potenzial besitzt. Lokale Schätzungen sprechen von bis zu 50.000 bis 200.000 Besuchern jährlich – obwohl bisher kaum ernsthaft in touristische Infrastruktur investiert wurde.
Für die Gemeinde gilt Željava als Schlüsselbaustein einer zukünftigen Tourismusstrategie, die das Angebot rund um die bekannten Plitvicer Seen ergänzen soll. Kommunalpolitiker betonen, sie hätten den Staat seit Jahren aufgefordert, das Gebiet touristisch zu entwickeln oder es an die Gemeinde zu übertragen, damit diese es für den Tourismus und andere zivile Nutzungen erschließen könne. Stattdessen stehe nun ein großes Aufnahmezentrum für Migranten im Raum – mit der Sorge, dies könne das Image der Region als attraktive Tourismusdestination beschädigen.

Ein weiterer zentraler Kritikpunkt betrifft Information und Mitsprache. Matejčić sagt, die Gemeinde habe erstmals aus den Medien und öffentlichen Diskussionen von den Plänen erfahren – nicht von der Regierung selbst. Eine Delegation des Innenministeriums sei nach seinen Angaben erst am Vortag des Protests nach Korenica gekommen, um das Vorhaben mündlich zu skizzieren. Schriftliche Unterlagen lägen der Gemeinde bis heute nicht vor; zugleich wirft der Bürgermeister dem Staat vor, frühere lokale Entwicklungsvorschläge für Željava ignoriert zu haben.
Die lokalen Behörden verweisen auch auf handfeste Probleme des vorgesehenen Standorts. Rund um die ehemalige Kaserne fehle es an grundlegender Infrastruktur wie ausreichend Wasser, Strom und einer Kanalisation, die bis zu 1.700 Menschen – also Migranten, Polizei und Personal – versorgen könnte. Hinzu komme eine komplizierte Eigentumssituation rund um den Stützpunkt: Teile gehörten dem kroatischen Staat, dem Verteidigungsministerium, der Gemeinde sowie verschiedenen privaten Eigentümern, von denen manche im Ausland leben.
Während des Protests verbanden Redner das geplante Lager mit einer grundsätzlicheren Unzufriedenheit über die Entwicklung der Region Lika. Anwohner beklagten hohe Kosten für Basisdienste wie Wasser und Müllabfuhr, die in einem großen, dünn besiedelten Gebiet teuer zu organisieren seien – ein Müllwagen müsse mitunter Dutzende Dörfer auf einer Tour abfahren. Manche verwiesen auf eine illegale Mülldeponie in Gospić und andere umstrittene Industrieprojekte und fragten, warum Lika zusätzlich noch ein großes Migrantenzentrum aufnehmen solle.
Zudem äußerten Demonstrierende Sorgen, die sich auf Erfahrungen in den Nachbarländern stützen. Mit Blick auf ein Migrantenlager bei Bihać in Bosnien und Herzegowina bezweifelten sie, dass die Menschen ausschließlich im Zentrum bleiben würden und nicht auch in umliegenden Orten und Dörfern unterwegs wären. Eine ähnliche Situation wolle man weder in der Nähe der eigenen Häuser noch der touristischen Sehenswürdigkeiten erleben.
Während die kommunalen Vertreter den aktuellen Vorschlag klar zurückweisen, verweisen einige in kroatischen Medien zitierte Quellen darauf, dass Regierung und Sicherheitsbehörden durchaus Vorteile in einem Aufnahmezentrum in Željava sehen. Eine stärkere Präsenz der Grenzpolizei könne die Sicherheit im weiteren Raum Plitvice erhöhen und die Zahl irregulärer Grenzübertritte an diesem Abschnitt der EU-Außengrenze senken, heißt es. Aus dieser Perspektive erscheint ein kontrolliertes, streng überwachtes Zentrum als Instrument, um die nach den EU-Vorgaben erforderliche Steuerung von Migrationsbewegungen zu verbessern.
Die Regierung Kroatiens hat bislang keine endgültige Entscheidung über den Standort des geplanten Zentrums bekanntgegeben. Das Innenministerium prüft Medienberichten zufolge weiter mehrere Optionen – darunter Željava und andere Orte entlang der Grenze. Die Behörden in Plitvička Jezera warten nach eigenen Angaben auf eine offizielle Antwort auf ihre Einwände. Sollte der Staat an dem Projekt in Željava festhalten, erwägt die Gemeinde weitere Schritte, über deren konkrete Form allerdings bislang nichts bekannt geworden ist.
Der Protest in Korenica macht einen grundsätzlichen Konflikt in Kroatien sichtbar: zwischen den nationalen Verpflichtungen im Rahmen der EU-Migrationspolitik und den Interessen der lokalen Gemeinden, die wirtschaftlich fragil sind und stark vom Tourismus leben. Während der EU-Pakt umgesetzt wird und Kroatien weiterhin eine Außengrenze der Europäischen Union verwaltet, zeigt der Streit um Željava, wie sich Migrationspolitik, regionale Entwicklung und der Schutz touristischer Attraktionen vor Ort reiben können.
Info: Lernnachrichten Kroatisch ist ein Angebot von „Lernen wir Kroatisch“, einer Sprachschule für Kroatisch, in der wir verschiedene Online-Kurse anbieten. Mit unseren Lernnachrichten kann man über aktuelle Inhalte einfach Kroatisch lernen und die Sprache schrittweise in den eigenen Alltag integrieren.
Fortgeschritten: Berichte aus Kroatien
- Hunderte Bürger protestieren gegen Bau eines Migrantenzentrums: Innenministerium soll anderen Standort prüfen (Glas Istre)
- FOTO Bürger wehren sich gegen Pläne für den früheren Militärflughafen: „Dumm, dumm, dumm …“ (Dnevnik.hr)
- VIDEO Protest gegen Migrantenzentrum in Lika: „Das brauchen wir nicht“ (Index.hr)
- Hunderte Bewohner in Aufruhr wegen Containerstadt für Migranten – Bürgermeister: „Ihr habt dieses Nein gehört!“ (Jutarnji list)
- „Wir geben Željava nicht her! Warum haben sie ausgerechnet unseren weltbekannten Hof ausgewählt?“ – Protest gegen Innenministeriumsplan: Keine Migranten im Komplex (Večernji list)


