EU‑Bericht sieht Fehlorganisation als Kroatiens größte Gesundheitsbaustelle

Lernnachrichten | 19.04.2026

Diese Ausgabe von Lernnachrichten Kroatisch widmet sich einem neuen Bericht von EU und OECD über Kroatiens Gesundheitssystem, seine eigentliche Schwachstelle – die Organisation – und die Folgen für den Alltag der Patientinnen und Patienten im ganzen Land.

EU‑Bericht sieht Fehlorganisation als Kroatiens größte Gesundheitsbaustelle

Die Meldung auf Kroatisch

Izvještaj1 EU i OECD govori o zdravstvenom sustavu u Hrvatskoj. Liječnika i medicinskih sestara ima dovoljno, ali organizacija2 nije dobra. Problemi su u primarnoj3 zaštiti, manjku doktora na selu i dugim listama čekanja u bolnicama. Važno je bolje upravljanje4 i učinkovitije5 korištenje novca i resursa6.

  1. izvještaj  (m.)
    pisani ili usmeni tekst u kojem se iznose činjenice i podaci o nekom događaju, stanju ili radu ↩︎
  2. organizacija  (f.)
    način na koji je nešto uređeno ili organizirano; ustroj nekog sustava ili rada ↩︎
  3. primaran
    koji se odnosi na prvu, osnovnu ili početnu razinu nečega ↩︎
  4. upravljanje  (n.)
    vođenje, usmjeravanje i donošenje odluka u nekoj organizaciji ili sustavu ↩︎
  5. učinkovit
    koji postiže dobre rezultate uz što manji utrošak vremena, truda ili sredstava ↩︎
  6. resurs  (m.)
    sredstvo ili izvor (novac, ljudi, oprema, vrijeme) koji se može iskoristiti za postizanje cilja ↩︎

Übersetzung

Der Bericht der EU und der OECD behandelt das Gesundheitssystem in Kroatien. Es gibt genug Ärztinnen und Ärzte sowie Pflegekräfte, aber die Organisation ist nicht gut. Probleme bestehen in der primären Gesundheitsversorgung, beim Mangel an Ärztinnen und Ärzten auf dem Land und bei langen Wartelisten in den Krankenhäusern. Wichtig sind eine bessere Verwaltung und eine effizientere Nutzung von Geld und anderen Ressourcen.

Textverständnis

Question 1: Laut dem Bericht: Was ist das Hauptproblem des kroatischen Gesundheitssystems – die Zahl der Ärztinnen, Ärzte und Pflegekräfte oder die Art, wie das System organisiert ist?

Das Hauptproblem ist die Art und Weise, wie das Gesundheitssystem organisiert ist, nicht die Zahl der Ärztinnen, Ärzte und Pflegekräfte.

Question 2: Welche zwei konkreten Probleme im kroatischen Gesundheitswesen werden im Bericht genannt?

Zwei Probleme sind der Mangel an Ärztinnen und Ärzten in ländlichen Regionen und die langen Wartelisten in den Krankenhäusern.

Lernwörter

KroatischDeutsch
izvještaj  (m.)Bericht
organizacija  (f.)Organisation
primaran primär
upravljanje  (n.)Leitung / Verwaltung / Steuerung
učinkovit effektiver
resurs  (m.)Ressource

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Die Meldung in voller Länge

Ein neuer Bericht der Europäischen Kommission und der OECD über das kroatische Gesundheitssystem kommt zu dem Schluss, dass das größte Problem des Landes nicht ein Mangel an Ärztinnen, Ärzten und Pflegekräften ist, sondern die Art und Weise, wie das System organisiert und gesteuert wird. Die Befunde ordnen Kroatien grob in den europäischen Gesamttrend ein, heben aber zugleich spezifische Schwächen in der hausärztlichen Versorgung, beim regionalen Zugang und beim Druck auf die Krankenhäuser hervor.

Dem aktuellen Gesundheitsprofil für Kroatien zufolge, das von der Europäischen Kommission, der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) sowie der European Observatory on Health Systems and Policies erstellt wurde, ist die Zahl der Gesundheitsberufe in den vergangenen Jahren gestiegen. 2023 kam Kroatien auf vier Ärztinnen und Ärzte je 1.000 Einwohner und lag damit knapp unter dem EU-Durchschnitt von 4,3. Bei den Pflegekräften wurden 7,7 Pflegekräfte je 1.000 Einwohner gezählt, verglichen mit einem EU-Mittelwert von 8,5.

Fachleute führen dieses allmähliche Wachstum auf Maßnahmen zur Bindung des medizinischen Personals an den öffentlichen Gesundheitsdienst zurück – trotz anhaltender Sorgen über Abwanderung in andere EU-Staaten. Der Bericht betont jedoch, dass Zahlen allein keinen gleichberechtigten Zugang garantieren. Es gibt ausgeprägte regionale Ungleichgewichte: Vor allem ländliche und abgelegene Regionen leiden weiterhin deutlicher unter Engpässen bei Ärztinnen, Ärzten und Pflegekräften. Für Menschen abseits der größeren Städte wird es dadurch schwieriger, rechtzeitig medizinische Versorgung zu erhalten.

Besonders kritisch sieht der Bericht die Lage in der Allgemeinmedizin, die in vielen europäischen Gesundheitssystemen die erste Anlaufstelle für Patientinnen und Patienten bildet. In Kroatien ist der Anteil der Hausärztinnen und Hausärzte (GPs) an der Gesamtzahl der Ärztinnen und Ärzte seit mehr als einem Jahrzehnt rückläufig. Ihr Anteil sank von 18,1 % im Jahr 2010 auf 15,6 % im Jahr 2023 – deutlich unter dem Durchschnitt von 19,4 % in den 24 EU-Mitgliedstaaten, die in der Analyse erfasst sind. Zwar ist die absolute Zahl der Hausärztinnen und Hausärzte in diesem Zeitraum von 2.228 auf 2.421 gestiegen, andere Fachrichtungen haben jedoch schneller zugelegt, sodass das Gewicht der Primärversorgung relativ geschwunden ist.

Der Bericht warnt, dieser Trend könne langfristige Folgen für die primäre Gesundheitsversorgung haben. Wenn Hausärztinnen und Hausärzte im Verhältnis zu anderen Fächern rarer werden, wird der Zugang zu grundlegenden Leistungen schwieriger – mit der Folge überlasteter Kliniken und längerer Wartezeiten auf fachärztliche Behandlungen. Die Stärkung der Rolle der Familien- und Hausärzte wird daher als zentrale Aufgabe für die kroatischen Gesundheitsbehörden beschrieben.

Die Analyse nimmt auch die Gesundheitsausgaben unter die Lupe. 2023 gab Kroatien rund 2.032 Euro pro Kopf für Gesundheit aus – deutlich weniger als der EU-Durchschnitt von 3.832 Euro. Zugleich unterscheidet sich die Finanzierungsstruktur von vielen anderen EU-Systemen. Staatliche Ausgaben machen etwa 85 % der gesamten Gesundheitsausgaben in Kroatien aus; im EU-Schnitt sind es rund 80 %. Das bedeutet: Ein größerer Teil der Kosten wird über öffentliche Quellen gedeckt, vor allem über die obligatorische Krankenversicherung, während die Eigenbeteiligungen der Patientinnen und Patienten zu den niedrigsten in der EU gehören.

EU‑Bericht sieht Fehlorganisation als Kroatiens größte Gesundheitsbaustelle
EU‑Bericht sieht Fehlorganisation als Kroatiens größte Gesundheitsbaustelle

Dadurch, so der Bericht, ist der Gesamtzugang zu Gesundheitsleistungen im europäischen Vergleich relativ breit. Die praktischen Vorteile dieses Modells werden jedoch durch organisatorische Probleme im System geschmälert. Ineffizienzen bei Arbeitsabläufen und Behandlungspfaden schlagen sich in langen Wartelisten für bestimmte Eingriffe und Untersuchungen nieder – besonders im stationären Bereich.

Zusätzlich belastet eine hohe Last chronischer, nicht übertragbarer Erkrankungen das kroatische Gesundheitswesen. Leiden wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Krebs sind laut Bericht für mehr als 64 % der Todesfälle im Land verantwortlich. Diese Krankheiten erfordern meist kontinuierliche Therapien und langfristige Betreuung – ein weiterer Druckfaktor für Krankenhäuser und Ambulanzen, zumal Prävention und Früherkennung vielerorts nicht ausreichend ausgebaut sind.

Die Kombination aus hoher Auslastung der Krankenhäuser, regionalen Ungleichheiten zwischen Stadt und Land und einer älter werdenden, chronisch kranken Bevölkerung verweist nach Ansicht der Autorinnen und Autoren auf die Notwendigkeit einer stärkeren Managementkompetenz, Digitalisierung und Modernisierung. Kroatien weicht insgesamt zwar nicht grundlegend von den Mustern in der EU ab. Der Bericht schließt jedoch, dass der künftige Fortschritt des Landes „weniger vom Investitionsvolumen“ abhängen wird als von der Fähigkeit, das System neu zu ordnen, vorhandene Ressourcen effizienter zu nutzen und sich an den Wandel der Bevölkerungsstruktur anzupassen.

Diese Fragen stehen auf der Tagesordnung des EU-Gesundheitsforums, das am 24. April in Zagreb stattfindet und in kroatischen Medien als wichtige europäische Konferenz zur Gesundheitspolitik bezeichnet wird. Kroatiens Gesundheitsministerin Irena Hrstić soll die Veranstaltung eröffnen. Unter den Teilnehmenden ist Bernd Rechel, einer der Autorinnen und Autoren des Gesundheitsprofils für Kroatien, der die wichtigsten Schlussfolgerungen zum Zustand des nationalen Systems vorstellen wird. Weitere Referenten, darunter Igor Lerman von IQVIA Adriatic und Peter Lindgren vom schwedischen Institute for Health Economics, wollen diskutieren, wie die Auswertung von Behandlungsergebnissen und die Messung der Effizienz von Versorgung politische Entscheidungen besser fundieren können.

Im Rahmen des Forums soll auch bekanntgegeben werden, dass das internationale Fachjournal The Lancet eine neue Kommission zur Leistungsfähigkeit von Gesundheitssystemen einsetzt. Dieses Gremium will neu bestimmen, was ein „erfolgreiches“ Gesundheitssystem ausmacht, und dabei das Verhältnis von Ausgaben, Versorgungsqualität und gesundheitlichen Ergebnissen in den Mittelpunkt stellen. Die Frage gewinnt an Dringlichkeit, da Gesundheitssysteme weltweit mit alternden Gesellschaften, steigenden Raten chronischer Krankheiten, den Folgen des Klimawandels und der rasanten Verbreitung künstlicher Intelligenz konfrontiert sind.

Ersten Schlussfolgerungen zufolge, die in der kroatischen Berichterstattung über die Lancet-Analyse zitiert werden, beruhen Leistungsunterschiede zwischen Ländern häufig auf Faktoren, die direkt von der staatlichen Politik beeinflusst werden – etwa auf der Qualität der Steuerung, der generellen Organisation der Gesundheitssysteme und den Entscheidungswegen. Die Untersuchung legt nahe, dass sehr unterschiedliche Modelle der Gesundheitsversorgung erfolgreich funktionieren können – allerdings nur dort, wo es starke Führung und klare Verantwortlichkeiten gibt.

Vor diesem Hintergrund betonen die Autorinnen und Autoren den Bedarf an widerstandsfähigeren und anpassungsfähigeren Gesundheitssystemen. Mit wachsenden Erwartungen der Bürgerinnen und Bürger und neuen medizinischen Möglichkeiten droht die Kluft zwischen dem, was ein System leisten kann, und dem, was die Menschen erwarten, größer zu werden – sofern Staaten nicht verbessern, wie sie ihre Gesundheitssektoren steuern und Ressourcen verteilen. Für Kroatien deutet der Bericht von Europäischer Kommission und OECD darauf hin, dass die zentrale Frage nicht lautet, wie viel Geld ausgegeben oder wie viele Beschäftigte eingestellt werden, sondern wie wirkungsvoll die vorhandene Gesundheitsbelegschaft, die Infrastruktur und die Finanzierung organisiert werden, um der Bevölkerung zu dienen.

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