Der Moment, in dem eine Frage zum Plan wurde
Griechenland ist für Susanne kein gewöhnliches Reiseziel – es ist eine Leidenschaft. Seit sie als junge Erwachsene ihren ersten Urlaub ohne Eltern dort verbracht hat, zieht es sie immer wieder dorthin. Den Peloponnes kennt sie, Kreta auch – doch seit einigen Jahren führt der Weg fast immer nach Rhodos. Griechenland, sagt sie ohne Zögern, ist ihr Hobby.

„Ich dachte: Das könnte man ja auch mal umgekehrt probieren.“
Den eigentlichen Anstoß zum Sprachenlernen gab ein Gespräch in einer Taverne auf Rhodos. Susanne kam mit der Inhaberin ins Gespräch – eine Frau namens Vicky, die bemerkenswert gut Deutsch sprach. Auf die Frage, wo sie das gelernt habe, antwortete Vicky schlicht: an der Volkshochschule, weil sie sich mit ihren Gästen unterhalten wolle. Das hat Susanne nicht losgelassen. Wenn jemand so viel Mühe auf sich nimmt, um den Gästen entgegenzukommen – warum sollte man das nicht auch als Gast versuchen? Zumindest so weit, dass man etwas bestellen oder ein freundliches Wort sagen kann.
Ein Leben zwischen Büchern, Küche und einem besonderen Zoo
Susanne lebt in Lehrensteinsfeld, einem kleinen Ort in der Nähe von Heilbronn, und arbeitet als Verwaltungsangestellte bei der Gewerkschaft Verdi. Doch eine andere Stadt hat einen besonderen Platz in ihrem Leben: Leipzig, wo sie als Kind viel Zeit verbracht und später studiert hat. Dem Leipziger Zoo fühlt sie sich bis heute verbunden – sie ist dort Fördermitglied und kehrt immer wieder gerne zurück.
Zu Hause liest sie viel und gerne. Die Kriminalromane um Inspektor Lynley von Elizabeth George begleiten sie seit Jahren. Daneben schätzt sie englische Klassiker wie Dickens und vor allem Reiseberichte der persönlichen Art: keine Reiseführer, sondern Bücher, in denen jemand von seiner eigenen Reise erzählt, aus seiner ganz eigenen Perspektive. Auch in der Küche hinterlässt das Reisen Spuren. In einem Kochkurs im Urlaub hat sie sich einmal ein Tzatziki-Rezept aufgeschrieben – und macht es seitdem genau so. Den Tzatziki aus dem Supermarkt, sagt sie trocken, könne man vergessen.
Die Insel und die Menschen, die sie immer wieder zurückrufen
Rhodos ist zu einem festen Punkt in Susannes Leben geworden. Sie und ihr Partner kehren Jahr für Jahr in dasselbe Hotel zurück – nicht nur aus Gewohnheit, sondern vor allem wegen des Ehepaars, das den Supermarkt direkt gegenüber führt. Was einmal als flüchtige Bekanntschaft begann, ist über die Jahre zu einer echten Freundschaft geworden, und diese Freundschaft ist inzwischen einer der Hauptgründe für die Reise.
„Wir fahren immer in dasselbe Hotel – einerseits aus Gewohnheit, aber vor allem wegen des Ehepaars gegenüber, das sich auch im Winter um die Straßenkatzen kümmert. Wir sind wirklich befreundet.“
Das Schicksal der Straßentiere auf den griechischen Inseln ist Susanne nicht gleichgültig. Sie hat beobachtet, wie sich die Lage langsam verbessert: Hotels auf Kreta, die Kastrierungsprogramme organisieren, Futterstellen einrichten, damit die Katzen nicht mehr betteln müssen. Es gibt noch viel Leid, sagt sie – aber es passiert etwas. Und das gibt ihr Hoffnung.
Wenn man anfängt, ein System zu erkennen
Der Entschluss, Griechisch zu lernen, reifte lange. Susanne wollte schon immer zumindest die Straßenschilder lesen können, einen freundlichen Satz sagen – nicht mehr so dastehen, als würde sie die Welt um sich herum gar nicht verstehen. Ein unerwarteter Krankenhausaufenthalt Anfang des Jahres – nichts Ernstes, betont sie – gab ihr endlich die Zeit und Ruhe, es anzugehen. Sieben Unterrichtseinheiten liegen inzwischen hinter ihr.
Das Alphabet war die erste Hürde, und es gab keinen Weg daran vorbei. Susanne hatte in der Schule Russisch gelernt – doch die bekannten Buchstaben erwiesen sich als tückisch: Manche sehen gleich aus, haben aber im Griechischen eine völlig andere Bedeutung. Also lernte sie von Grund auf, buchstabierte, wiederholte, bis es saß. Danach lief es besser. Als die Grammatik dazukam, schien sie zunächst erdrückend – doch je mehr sich aufeinanderschichtete, desto klarer wurde das Bild. „Man fängt an, ein System darin zu sehen“, sagt sie. Und dieser Moment, in dem plötzlich alles einen Sinn ergibt, hat ihr echten Auftrieb gegeben.
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Im eigenen Tempo, nach den eigenen Regeln
Susanne hat einen Rhythmus gefunden, der zu ihr passt. Sie macht Doppelstunden, lässt dann aber etwa zwei Wochen vergehen, bevor die nächste Einheit folgt – genug Zeit, den Stoff in Ruhe nachzuarbeiten, ohne gleich wieder unter Druck zu stehen. Der Einzelunterricht gibt ihr die Freiheit, die Inhalte auf ihre Bedürfnisse zuzuschneiden – eine Flexibilität, auf die sie nicht verzichten möchte. Ihre unmittelbaren Ziele sind praktisch: Getränke und Speisen auf Griechisch bestellen, ein Schild lesen, ein paar freundliche Worte sagen – und nicht immer auf Englisch ausweichen müssen.
„Man muss es wirklich wollen – und von Anfang an mit Freude an die Sache rangehen.“

Ihrer Lehrerin Maria gilt ihr herzlichster Dank. Es ist vor allem die Engelsgeduld, die den Unterschied ausmacht – die Fähigkeit, auch in schwierigen Momenten zu lächeln und mit einem einzigen treffenden Satz wieder Mut zu machen. Immer wieder staunt Susanne darüber, wie viel tatsächlich hängen bleibt: Fragt man sie im Gespräch nach einem Wort oder einer Wendung, kommt die Antwort – auch wenn sie selbst nicht damit gerechnet hätte. Ihr Rat an alle, die mit dem Gedanken spielen, Griechisch zu lernen, ist denkbar einfach: Wissen, warum man es tun will. Mit echter Begeisterung anfangen. Und wenn mal ein Tag nicht klappt – einfach morgen weitermachen.
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