Die Meldung auf Griechisch
- τιμώ
δείχνω σεβασμό και αναγνώριση σε κάποιο πρόσωπο ή γεγονός ↩︎ - γενοκτονία (f.)
σκόπιμη και οργανωμένη εξόντωση μιας μεγάλης ομάδας ανθρώπων, συνήθως για την καταγωγή ή τη θρησκεία τους ↩︎ - τελετή (f.)
επίσημες πράξεις ή εκδηλώσεις με συγκεκριμένους κανόνες, συχνά για να τιμήσουν ένα γεγονός ↩︎ - ομιλία (f.)
λόγοι που λέγονται μπροστά σε κόσμο για κάποιο θέμα ↩︎ - εκδήλωση (f.)
δημόσιες δραστηριότητες ή γεγονότα που οργανώνονται για έναν σκοπό ↩︎ - πολιτισμός (m.)
ο τρόπος ζωής ενός λαού, όπως η τέχνη, η ιστορία, τα έθιμα και οι ιδέες του ↩︎
Übersetzung
Textverständnis
Question 1: Welche Menschen werden in diesem Text am 19. Mai in Griechenland besonders erinnert?
Question 2: Welche Arten von Aktivitäten finden heute statt, um der Pontos-Griechen zu gedenken?
Lernwörter
| Griechisch | Deutsch |
|---|---|
| τιμώ | |
| γενοκτονία (f.) | |
| τελετή (f.) | |
| ομιλία (f.) | |
| εκδήλωση (f.) | |
| πολιτισμός (m.) | |
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Die Meldung in voller Länge
Am 19. Mai begeht Griechenland den Gedenktag an den Völkermord an den Pontos-Griechen – einen nationalen Erinnerungstag, der dem Schicksal jener griechischen Gemeinden gewidmet ist, die einst an der Südküste des Schwarzen Meeres lebten, in der historischen Region Pontos (Pontus) im Gebiet der heutigen Türkei.
Der Gedenktag wurde 1994 durch einstimmigen Beschluss des griechischen Parlaments offiziell eingeführt. Per Gesetz ist der 19. Mai jedes Jahr dem Andenken an die Hunderttausenden Pontos-Griechen vorbehalten, die – so die Argumentation griechischer und mehrerer ausländischer Historiker – in den letzten Jahren des Osmanischen Reiches und in der Phase der Entstehung des modernen türkischen Staates systematisch verfolgt und getötet wurden.
Griechische Geschichtsdarstellungen berichten von einer Abfolge von Massakern, Zwangsdeportationen und Todesmärschen, die sich vor allem zwischen 1913 und 1923 ereigneten. Betroffen waren nicht nur Pontos-Griechen, sondern auch andere christliche Bevölkerungsgruppen des Osmanischen Reiches. Für die Pontos-Griechen wird die Gewalt meist in mehrere Phasen unterteilt. Die erste steht im Zusammenhang mit dem Aufstieg der Jungtürken nach 1908 und insbesondere mit der Zeit des Ersten Weltkriegs (1914–1918), als viele griechische Männer in sogenannte „Arbeitsbataillone“ (Amelé Taburu) eingezogen wurden – unter Bedingungen, die zu extrem hohen Todesraten führten.
Eine zweite, heftigere Phase bringen griechische Quellen mit der Ankunft von Mustafa Kemal (dem späteren Atatürk) in der Stadt Samsun am 19. Mai 1919 in Verbindung. Aus griechischer Sicht wurde von diesem Zeitpunkt an die Verfolgung in der Region Pontos stärker organisiert. Berichtet wird von Festnahmen und Hinrichtungen von Wortführern der Gemeinden – etwa Journalisten, Geistlichen, Lehrern und lokalen Amtsträgern – sowie von Dorfverbrennungen, Massenerschießungen und großflächigen Plünderungen. Frauen, Kinder und alte Menschen seien wochenlang ins anatolische Hinterland oder in Richtung syrische Wüste getrieben worden, oft ohne ausreichende Versorgung mit Nahrung, Wasser oder Unterkunft. Viele sollen unterwegs an Hunger, Krankheit, Erschöpfung oder direkter Gewalt gestorben sein.
Die Gesamtzahl der Opfer ist Gegenstand einer anhaltenden historischen Debatte. Zahlreiche griechische und einige ausländische Forscher sowie pontische Verbände gehen davon aus, dass mehr als 300.000 Pontos-Griechen ums Leben kamen; manche griechische Quellen nennen die Zahl von 353.000. Andere, zurückhaltendere akademische Schätzungen liegen deutlich niedriger – bei rund 100.000 bis 150.000 Toten. Die Unzuverlässigkeit der Statistiken aus jener bewegten Zeit von Krieg, Revolution und massiven Bevölkerungsverschiebungen trägt zu den unterschiedlichen Angaben bei.
Die Überlebenden flohen häufig nach Norden in Gebiete, die später zur Sowjetunion gehörten, oder kamen – besonders nach der umfassenden Kleinasiatischen Katastrophe von 1922 – als Flüchtlinge nach Griechenland. Ihre Ankunft veränderte die griechische Gesellschaft und Kultur tiefgreifend: Mit ihnen gelangten Reliquien, musikalische Traditionen, griechische Dialekte und lokale Bräuche ins Land, die bis heute im modernen Kulturleben Griechenlands sichtbar sind.

Im öffentlichen Diskurs in Griechenland werden diese Ereignisse üblicherweise als Völkermord an den Pontos-Griechen bezeichnet. Der Begriff „Völkermord“ selbst entstand erst später, insbesondere im Rahmen der Nürnberger Prozesse 1945, und bezeichnet im Völkerrecht die absichtliche, systematische Vernichtung einer nationalen, ethnischen, rassischen oder religiösen Gruppe – ganz oder teilweise. Griechische Kommentatoren und mehrere internationale Fachleute vertreten die Ansicht, dass die Politik gegenüber den Pontos-Griechen dieser Völkermord-Definition entspricht, weil die Menschen nicht wegen bestimmter Taten, sondern wegen ihrer Identität – als ethnische Griechen und Christen – ins Visier gerieten.
Die Wahl des 19. Mai als nationaler Gedenktag spiegelt seine symbolische Bedeutung in der griechischen Erinnerung wider: Er gilt als Wendepunkt der pontischen Tragödie. Es ist der Tag, an dem Mustafa Kemal in Samsun landete – ein Ereignis, das in der türkischen Nationalgeschichte den Beginn des Unabhängigkeitskriegs markiert, in der griechischen Erinnerung aber mit der Eskalation der Repression gegen die pontische Minderheit verbunden ist. Dieses Spannungsverhältnis zeigt, wie derselbe historische Moment für unterschiedliche Gemeinschaften völlig gegensätzliche Bedeutungen haben kann.
1991 brachten pontische Abgeordnete der Panhellenischen Sozialistischen Bewegung (PASOK) den Vorschlag ein, der griechische Staat solle den Völkermord offiziell anerkennen und einen Gedenktag festlegen. Nachdem PASOK 1993 wieder an die Regierung gekommen war, wurde der Vorstoß erneut eingereicht und im Februar 1994 schließlich einstimmig angenommen. Das daraus hervorgegangene Gesetz 2193/1994 erkennt den Völkermord an den Pontos-Griechen formell an und legt den 19. Mai als offiziellen Tag des Gedenkens fest.
Auch außerhalb Griechenlands haben mehrere Staaten und Gebietskörperschaften Erklärungen oder Resolutionen verabschiedet, in denen für die Erfahrungen der Pontos-Griechen der Begriff Völkermord verwendet wird. Dazu gehören Zypern, Armenien, Schweden, mehrere Föderationssubjekte Russlands, einige US-Bundesstaaten wie New York und Kalifornien sowie Regionalparlamente in Australien und Kanada. Die International Association of Genocide Scholars (IAGS) hat die Ereignisse in ihren Stellungnahmen ebenfalls als Völkermord anerkannt. Gleichzeitig ist die internationale Anerkennung nicht einheitlich: Manche Regierungen und Historiker verwenden andere Begriffe oder richten den Blick eher auf das geteilte Leid vieler Gruppen in der Spätphase des Osmanischen Reiches.
Die heutigen Gedenkfeiern in Griechenland umfassen Gedenkgottesdienste, Bildungsveranstaltungen, Ausstellungen und Märsche in Städten im ganzen Land. In Athen gehört der Auftritt der Präsidialgarde (Evzonen) in traditioneller schwarzer pontischer Tracht am Grab des Unbekannten Soldaten auf dem Syntagma-Platz zu den sichtbarsten Symbolen. Pontische Verbände betonen, dass für sie das Erinnern nicht nur mit Trauer, sondern immer auch mit der Bewahrung von Sprache, Musik und kultureller Identität verbunden ist.
Für viele Pontos-Griechen und ihre Nachkommen ist die fortgesetzte Kampagne für eine internationale Anerkennung ein Beitrag zur Verteidigung des historischen Gedächtnisses und zur breiteren Debatte über Verbrechen gegen die Menschlichkeit. Griechische Kommentatoren heben hervor, Anerkennung sei aus ihrer Sicht keine Frage der Rache, sondern des Benennens der Vergangenheit, um ähnliche Gräueltaten künftig zu verhindern. Die Auseinandersetzung um Begriffe, Opferzahlen und juristische Definitionen wird wohl Teil einer größeren Diskussion darüber bleiben, wie Gesellschaften den oft gewaltsamen Übergang vom Osmanischen Reich zu modernen Nationalstaaten erinnern und einordnen.
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